Was ist IAB TCF?
Das Transparency & Consent Framework (TCF) ist ein Standard von IAB Europe, dem europäischen Dachverband der Online-Werbebranche. Es ist für Websites gedacht, die mit Werbung Dritter Geld verdienen.
Wenn Sie Werbeflächen auf Ihrer Website verkaufen, bieten im Hintergrund oft Dutzende bis Hunderte Werbeanbieter auf jede Einblendung. Jeder dieser Anbieter muss wissen, ob und wofür der Besucher eingewilligt hat. Das regelt TCF: Ihr Cookie-Banner speichert die Entscheidung in einer codierten Zeichenfolge, dem TC-String, und alle Anbieter lesen sie auf dieselbe Weise aus.
Dafür arbeitet TCF mit einer festen Liste von Zwecken, etwa „personalisierte Werbung“ oder „Werbeleistung messen“, und mit der Global Vendor List, dem Verzeichnis der bei IAB Europe registrierten Werbeanbieter.
Wer braucht es?
Sie brauchen TCF, wenn Sie Werbeflächen verkaufen, also selbst Werbung Dritter auf Ihrer Website oder in Ihrer App anzeigen, zum Beispiel über:
- Google AdSense, Google Ad Manager oder AdMob;
- andere Werbenetzwerke oder programmatische Werbeplattformen;
- Header Bidding, bei dem mehrere Anbieter auf Ihre Werbeflächen bieten.
Für Googles Dienste ist das eine feste Vorgabe: Seit dem 16. Januar 2024 brauchen Publisher, die über AdSense, Ad Manager oder AdMob personalisierte Werbung an Besucher aus dem EWR oder dem Vereinigten Königreich ausspielen, eine von Google zertifizierte Consent-Management-Plattform mit TCF-Integration. Für die Schweiz gilt das seit dem 31. Juli 2024. Ohne zertifizierte Plattform kommt dieser Traffic laut Google höchstens noch für nicht personalisierte oder eingeschränkte Anzeigen infrage.
Das betrifft vor allem Nachrichtenseiten, Blogs und Vergleichsportale, die von Werbeeinnahmen leben.
Wer braucht es nicht?
Die meisten Websites brauchen kein TCF:
- Onlineshops, auch wenn Sie mit Google Ads oder Meta werben.
- Unternehmenswebsites, auch mit Google Analytics, LinkedIn Insight Tag oder anderen Marketing-Tags.
- Blogs und Websites ohne Fremdwerbung.
- SaaS-Anbieter und andere Websites, die Kunden gewinnen, aber keine Werbeflächen verkaufen.
Der Unterschied liegt in der Richtung: Wer wirbt, kauft Anzeigen ein und misst den Erfolg auf seiner eigenen Website. Dafür brauchen Sie die Einwilligung Ihrer Besucher und, wenn Sie Google nutzen, Google Consent Mode v2. Erst wer Werbung anzeigt, also Flächen an andere verkauft, braucht zusätzlich TCF.
| Ihre Situation | Einwilligung per Cookie-Banner | Google Consent Mode v2 | IAB TCF |
|---|---|---|---|
| Shop oder Unternehmenswebsite mit Google Ads und Analytics | Ja | Ja | Nein |
| Website mit Meta Pixel oder LinkedIn Insight Tag | Ja | Nur bei Google-Tags | Nein |
| Blog oder Nachrichtenseite mit Google AdSense | Ja | Ja | Ja |
| Website mit Google Ad Manager oder Header Bidding | Ja | Ja | Ja |
Warum nicht einfach sicherheitshalber?
TCF einzuschalten, obwohl Sie es nicht brauchen, hat nur Nachteile:
- Ein komplizierteres Banner. Besucher sehen eine lange Liste von Zwecken und oft Hunderte Werbeanbieter, dazu Wahlmöglichkeiten auf Grundlage des „berechtigten Interesses“. Das ist schwer zu verstehen. Gerade in Deutschland, wo die Aufsichtsbehörden auf Verständlichkeit und klare Informationen auf der ersten Ebene achten, macht das die Gestaltung nicht einfacher.
- Mehr Pflege. Sie müssen entscheiden, welche Werbeanbieter Sie zulassen, und die Liste und die Regeln des TCF ändern sich mit jeder neuen Version.
- Kein Vorteil. Für Google Ads, Google Analytics und den Meta Pixel zählen die Einwilligung in Ihrem Banner und bei Google der Consent Mode v2, nicht der TC-String.
Das TCF selbst steht zudem unter rechtlicher Beobachtung. Die belgische Datenschutzbehörde entschied 2022, dass das Framework gegen die DSGVO verstößt. Der EuGH stellte 2024 auf Vorlage des belgischen Marktgerichts fest, dass ein TC-String ein personenbezogenes Datum sein kann und IAB Europe insoweit gemeinsam Verantwortlicher sein kann. Das Marktgericht hob die Entscheidung der Behörde im Mai 2025 aus Verfahrensgründen auf, bestätigte aber das Bußgeld von 250.000 Euro und die gemeinsame Verantwortlichkeit von IAB Europe für die Verarbeitung der TC-Strings. IAB Europe hat das Framework in dieser Zeit mehrfach angepasst.
Was brauchen Sie stattdessen?
Für eine Website ohne Fremdwerbung reicht:
- Ein Cookie-Banner, das vorher um Einwilligung bittet, mit gleichwertigen Buttons „Alle akzeptieren“ und „Alles ablehnen“.
- Blockieren bis zur Einwilligung: Marketing- und Statistik-Cookies laden erst nach der Zustimmung.
- Google Consent Mode v2, wenn Sie Google Ads oder Google Analytics nutzen. Mehr dazu in Google Consent Mode v2 erklärt.
- Eine Cookie-Erklärung und einen Nachweis der Einwilligungen.
Cookie Confirm erledigt diese vier Punkte mit einem kurzen, klaren Banner ohne Liste von Werbeanbietern. Zeigen Sie selbst Werbung über Google AdSense oder Ad Manager, prüfen Sie, ob Ihr Cookie-Banner von Google für TCF zertifiziert ist.
Quellen
- Google AdSense-Hilfe: Anforderungen an zertifizierte CMPs mit TCF-Integration
- EuGH, Urteil vom 07.03.2024, C-604/22, IAB Europe (Pressemitteilung)
- IAB Europe: Belgisches Marktgericht zur Rolle von IAB Europe im TCF (Mai 2025)
- IAB Europe: TCF v2.2, Implementierungs-FAQ
- Google for Developers: Consent Mode
- DSK: Orientierungshilfe Digitale Dienste, Version 1.2 (November 2024)